Ist bereits eine entsprechende Pflanze vorhanden, vielleicht bei Freunden oder Nachbarn, gelingt die Vermehrung per Steckling in der Regel schneller und unkomplizierter als die Anzucht aus Samen.
Die Stecklingsvermehrung hat den Vorteil, dass die neue Pflanze die gleichen Eigenschaften besitzt wie die Mutterpflanze. Bei einer Vermehrung mit Saat ist das aufgrund der stattgefundenen Bestäubung nicht immer der Fall.

Stecklinge schneiden
Stecklinge werden entweder als kompletter Austrieb aus einem Ast oder aus der Pflanzenbasis von der Mutterpflanze getrennt oder als Zweig in etwa 10 cm Länge mit mindestens 3 Blattpaaren abgeschnitten. Beim vollständigen Austrieb sollte noch der komplette, etwas verdickte Auswuchs vorhanden sein.
Bei allen anderen Stecklingen wird ein schräger Schnitt direkt unter einem Blattknoten angesetzt. Das ist die Stelle an einem Blattansatz. Dazu benutzt man am besten ein scharfes Messer oder die Gartenschere.
Im Wasser Wurzeln vorziehen
Bei den meisten Stecklingen gelingt die Bewurzelung im Wasser schneller als direkt in feuchtem Substrat. Fleißige Lieschen, Basilikum, Tomaten, Efeu und der Spindelstrauch, um nur einige zu nennen, bilden im Wasser ziemlich rasch Wurzeln. Wenn das Gefäß durchsichtig ist, aus Glas oder Kunststoff, klappt das Bewurzeln übrigens wesentlich besser.

Wenn es sich um einen abgeschnittenen Zweig handelt, sollten vor dem Einstellen ins Wasser die unteren Blattpaare entfernt werden. Sobald sich kräftige Wurzeln in etwa 3 bis 4 cm Länge gebildet haben, kann das junge Pflänzchen in einen Topf umziehen.
Die Wurzeln im Wasserglas sollten nicht allzu lang werden, denn dann fällt ihnen die Umgewöhnung an Substrat sehr schwer. Im Topf muss die nächste Zeit noch auf ausreichende Feuchte geachtet werden, damit die Wurzeln ohne Unterbrechung weiterwachsen können.
Stecklinge in Substrat bewurzeln lassen
Geranien und Buchsbäume werden zur Vermehrung am besten gleich in feuchtes Substrat gesetzt. Auch hier werden zunächst die unteren Blätter entfernt. Beim Buchs ist das Einkürzen der Triebspitze vorteilhaft. Dann konzentriert sich der Steckling nämlich tatsächlich erst einmal auf die Wurzelbildung und schickt nicht unnötig viel Saft nach oben. Der Steckling bekommt zudem später eine breitere Form.
Damit das Bewurzeln tatsächlich gelingt, helfen vorbeugende Maßnahmen gegen eine zu starke Verdunstung. In einem Minigewächshaus sorgt die Abdeckung für ein feuchtwarmes Klima. Bei einem Topf leistet ein Folienbeutel gute Dienste. Drei etwa 15 – 20 cm lange Holzstäbe um die Pflanze eingesteckt verhindern, dass die Plastiktüte direkt auf der Pflanze hängt. Ein Drahtgerüst erfüllt den gleichen Zweck.
Ein warmer Platz mit gelegentlicher Belüftung lässt innerhalb von etwa vier Wochen die ersten Wurzeln sprießen.